Prüfen und Verifizieren

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Prüfen und Verifizieren

Verifikation beginnt nicht mit einem Werkzeug, sondern mit einer präzisen Frage: Was soll überprüft werden – und welche Evidenz wäre dafür erforderlich?

Der Prüfprozess in sechs Schritten

  1. Behauptung isolieren: Formulieren Sie möglichst genau, welche Tatsachenaussage geprüft werden soll.
  2. Originalquelle finden: Suchen Sie die früheste erreichbare Veröffentlichung und unterscheiden Sie Original von Kopien oder Kommentaren.
  3. Quelle einordnen: Prüfen Sie Urheberschaft, Fachkompetenz, Interessen, Transparenz und bisherige Verlässlichkeit.
  4. Belege untersuchen: Sind Dokumente, Daten, Bilder oder Zeugenaussagen zugänglich und tragen sie die behauptete Schlussfolgerung?
  5. Unabhängig abgleichen: Suchen Sie Bestätigung oder begründeten Widerspruch bei voneinander unabhängigen Quellen.
  6. Ergebnis abstufen: Halten Sie fest, was bestätigt, widerlegt, unbelegt oder weiterhin unklar ist.

Je nach Material anders prüfen

Behauptungen

Schlüsselbegriffe variieren, Primärdokumente suchen, Zahlen im Original prüfen und Zeitbezug beachten.

Websites & Konten

Impressum, Verantwortliche, Domain, frühere Inhalte, Finanzierung und zitierte Quellen untersuchen.

Bilder

Rückwärtssuche, Bildausschnitte, frühere Verwendungen, sichtbare Details und gegebenenfalls Metadaten vergleichen.

Videos & Audio

Schlüsselszenen einzeln prüfen, Originalupload suchen, Ton und Bild getrennt betrachten und Ereigniskontext abgleichen.

Werkzeuge richtig einsetzen

Suchmaschinen, Archive, Rückwärtssuchen, Karten, Metadaten- und Medienanalyse können wichtige Hinweise liefern. Kein einzelnes Werkzeug entscheidet jedoch zuverlässig über Wahrheit oder Fälschung.

Grundregel: Ein technisches Resultat ist ein Befund, keine fertige Schlussfolgerung. Dokumentieren Sie Suchweg, Zeitpunkt, Fundstellen und Interpretationsschritte.

Mit Unsicherheit umgehen

Nicht jede Prüfung führt zu einem eindeutigen Ergebnis. Seriöse Verifikation unterscheidet deshalb zwischen verschiedenen Befundlagen:

  • Bestätigt: tragfähige, unabhängige Evidenz stützt die Behauptung.
  • Widerlegt: überprüfbare Evidenz widerspricht ihr.
  • Unbelegt: die vorgelegten Belege reichen nicht aus.
  • Irreführend: einzelne Elemente stimmen, erzeugen im gegebenen Kontext aber einen falschen Eindruck.
  • Unklar: die verfügbare Evidenz erlaubt derzeit keine belastbare Aussage.

Verifikation vermitteln

Für Unterricht, Seminare und Weiterbildung entwickeln wir passende Übungen und Workshops.